Wenn Mitarbeiterumfragen die Fluktuationsquote senken

Einen exzellenten Artikel zum Thema Mitarbeiterbefragungen hat Claudia Tüdtmann in ihrem Management-Blog der wirtschaftswoche am 28.10.2011 veröffentlicht.

Quelle: Wirtschaftswoche Management-Blog, claudie Tödtmann, 28.10.2011

http://blog.wiwo.de/management/2011/10/26/wenn-mitarbeiterumfragen-die-fluktuationsquote-senken/

Im Wortlaut:

Mitarbeiterbefragungen? Welch ein Unfug. Und teuer obendrein. Wirklich? So mancher Unternehmenslenker mag so denken – und in den vergangenen zehn Entlassungsjahren mag diese Devise auch Gültigkeit gehabt haben. So wenn sich das Blatt wendet und qualifizierte Mitarbeiter ganz plötzlich wieder erwünscht sind und nicht mehr nur noch in Abfindungsverhandlungen gezwungen und aus der Company gedrückt werden, sieht das anders aus.

Wenn ganz plötzlich Unternehmen nicht mehr wissen, wie sie ihre Lieferverträge erfüllen sollen, wo doch das Personal fehlt. Wenn Vertragsstrafen fällig werden oder Aufträge durch die Lappen gehen und abgelehnt werden müssen.

Dann, ja dann sind Mitarbeiterbefragungen nun doch ein Instrument, das nützlich ist – auch aus Sicht der Unternehmenslenker. Damit sich die Belegschaft ernst genommen fühlt und die Unternehmenslenker wissen, ob ihre Angestellten diesen Arbeitgeber ihren Verwandten und Freunden empfehlen – oder eben nicht: Die Managementberatung Kienbaum befragte 160 Personalchefs hierzulande. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie:  In fast allen Betrieben, wo Mitarbeiterbefragungen stattfanden, “wurden auf Basis solcher Mitarbeiterbefragungen Veränderungen angestoßen, die von den Mitarbeitern im Nachgang auch überwiegend positiv bewertet wurden.”

Des weiteren: 58 Prozent der befragten Personalchefs verzeichneten nach Mitarbeiterbefragungen sinkende Fluktuationsquoten – weil nach der Umfrage entsprechende Maßnahmen ergriffen worden waren. In 56 Prozent der Fälle besserten sich Arbeitszufriedenheit und Unternehmenskultur.

Mitarbeiter wollen ernst genommen werden. Kienbaum-Berater Jan-Marek Pfau’s Fazit: “Mitarbeiterbefragungen sind ein wirksames Instrument, um organisationale Veränderungen nachhaltiger umzusetzen, denn Veränderungen werden von den Betroffenen relativ häufiger als positiv wahrgenommen, wenn sie sich auf den von der Mitarbeiterschaft artikulierten Wunsch nach Veränderung zurückführen lassen.”

Immerhin führen 27 Prozent der befragten 160 Unternehmen alle zwei Jahre eine Mitarbeiterbefragung durch. Jedes dritte hört die Belegschaft sogar jährlich an.

Warum manche Firmen ihre Mitarbeiter nicht befragen? In 34 Prozent dieser Fälle liegt es an Ressourcenknappheit beziehungsweise daran, dass die Geschäftsführung Mitarbeiterbefragungen unwichtig findet (32 Prozent).

Dass die Unternehmensleitung der Dreh- und Angelpunkt ist, empfinden auch diejenigen Personalchefs, wo jährlich eine Mitarbeiterbefragung läuft. Kienbaum-Experte Pfau: “Die Entscheidung für eine Mitarbeiterbefragung steht und fällt mit der Initiative der Geschäftsführung. Sie ist häufig Initiator, kann aber auch Grund für ein Scheitern sein.”

Worum es den Unternehmen geht, wenn sie ihre Leute befragen? 81 Prozent geht es um das Betriebsklima, 67 Prozent geht es um den Grade der Verbundenheit mit ihrem Unternehmen, dem Commitment. An dritter Stelle geht es um das Engagement der Mitarbeiter (44 Prozent), also wie man zu seinem Arbeitgeber steht. Ob die Mitarbeiter gut über ihre Firma reden, ob sie ihr “mittel- und langfristig verbunden bleiben wollen” und “bereit sind, sich in besonderem Maße für das Unternehmen einzusetzen”, so Pfau.

Dieser Punkt wird immer wichtiger, die steigende Zahl der Beste-Arbeitgeber-Rankings und der Arbeitgeber-Bewertungsportale wie www.kununu.com oder www.BizzWatch.de belegen das (siehe auch Blog-Beiträge dazu in diesem Management-Blog mittels Blog-Suchfeld).

Für die entsprechenden Institute ist das ein gutes Geschäft: 58 Prozent der Personaler sagen, dass die Mitarbeiterbefragung ihrer Firma von einem externen Dienstleister durchgeführt wird. Warum? 92 Prozent machen dies wegen der Anonymität,  84 Prozent weil sie den Externen höhere Methodenkompetenz zusprechen und 62 Prozent wollen sich messen an anderen Unternehmen und kaufen gleichzeitig externer Benchmarks ein.

42 Prozent der Unternehmen setzen auf interne Mitarbeiterumfragen. Dies zum einen, weil sie eine sich davon eine bessere unternehmensinterne Kommunikation versprechen (50 Prozent) und zum anderen, weil sie hoffen, so Kosten sparen zu können (45 Prozent).

Das Fazit von Kienbaum: Mitarbeiterbefragungen helfen, um Veränderungen positiv zu managen

Pfau: “Je eindeutiger Veränderungen auf die Mitarbeiterbefragung zurückgeführt werden, desto positiver fällt auch deren Bewertung aus.” Ableiten lässt sich eine “eine eindeutige Handlungsempfehlung für das Management”. Denn: Wer Mitarbeiterbefragungen regelmäßig durchführe und sie als Instrument der strategischen Organisationsentwicklung einsetze, sorge für eine positivere Wahrnehmung und erfolgreichere Umsetzung nötiger Veränderungen. “Faktoren wie  Fluktuation,  Mobbing, Absentismus und Präsentismus können gezielt verbessert werden und das steigert die organisatorische Leistungsfähigkeit”, so Pfau.

www.kienbaum.de/go/engagement_echo.

Eins fragen die Mitarbeiterbefragungen regelmäßig nicht ab – und eröffnen dem Management dadurch die Möglichkeit, sein Versagen umzumünzen: Warum die Verweigerer der Umfrage nicht mitmachen: a) Weil sie meinen, es werde ohnehin nichts besser und etwaige vorherige Umfragen hätten auch nichts gebessert oder b) weil sie so zufrieden sind, dass sie Mitarbeiterumfragen schlicht unnötig finden oder c) weil sie ihrer Firma so wenig trauen, dass sie nicht an die zugesicherte Anonymität glauben.

Mitarbeiterumfragen sollen die Unternehmenslenker jedenfalls aktiv unterstützen: Zum Beispiel durch Prämienkürzungen, wenn die Führungskräfte bei der Ergebnisverkündung gegenüber der Belegschaft durch desinteressierte Abwesenheit glänzen. Oder wenn nicht unverzüglich positive Reaktionen des Managements folgen.

Mitarbeiterumfragen, deren Ergebnisse nur im Sande verlaufen, sind zu teuer. Für jedes Unternehmen:

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Auszeichnung für die Charité – Universitätsmedizin Berlin

Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation e. V., dso.de, 24.08.2011

Senatorin Katrin Lompscher würdigt besonderen Einsatz für die Organspende

Berlin, 24.08.11. “Durch ihr Engagement für die Organspende haben Ärztinnen, Ärzte und Pflegende in der Charité besonderen Einsatz für die schwer kranken Patientinnen und Patienten auf der Warteliste für eine lebensrettende Transplantation gezeigt”, sagte Katrin Lompscher, Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz bei der heutigen Ehrung.

Jährlich zeichnen die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz und die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ein Krankenhaus für vorbildliches Engagement in der Organspende aus. Ausschlaggebend für die Ehrung sind Kriterien wie die umfassende Unterstützung der Transplantationsbeauftragten durch die Klinikleitungen, die systematische Fortbildung des Klinikpersonals sowie die Erarbeitung von Leitlinien und Verfahrensschritten für den Akutfall Organspende.

“Das Beispiel der Charité zeigt, wie die Organspende durch Schulung, Organisation und Engagement von der Ausnahme zum selbstverständlichen Teil des medizinischen Versorgungsauftrages eines Krankenhauses umgesetzt werden kann”, erklärte Dr. med. Detlef Bösebeck, Geschäftsführender Arzt der DSO. “Dieses Beispiel muss Schule machen, damit mehr Transplantationen möglich werden.”

In Deutschland warten cirka 12.000 Patientinnen und Patienten auf ein neues Organ. Im Jahr 2010 konnten 5.083 Transplantationen inklusive Lebendspenden durchgeführt werden. Jedes Jahr sterben etwa 1.000 Menschen, weil nicht rechtzeitig ein neues Organ für sie zur Verfügung stand.

“Der Mangel an Spenderorganen ist dramatisch”, betonte Prof. Dr. med. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor Charité – Universitätsmedizin Berlin. “Der Einsatz der Kolleginnen und Kollegen für die Organspende hilft dabei Leiden abzukürzen und Leben zu verlängern.”

Die DSO ist seit Juli 2000 die bundesweite Koordinierungsstelle für Organspende. In der Akutsituation Organspende begleitet sie alle Abläufe: Von der qualifizierten Feststellung des Hirntods über das Gespräch mit den Angehörigen, medizinischen Maßnahmen zur Erhaltung von Organen und zum Schutz der Organempfänger bis hin zum Organtransport. Daneben unterstützt sie Krankenhäuser durch Fortbildungen und Prozessoptimierung zum Thema Organspende. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DSO-Region Nord-Ost, zu der Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gehören, betreuen insgesamt 114 Krankenhäuser, davon 39 in Berlin.

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Stuttgart 21: Das riskante Spiel der Deutschen Bahn

Quelle: wiwo.de, Train-Spotting, 1107.2011

Zwischenzeitlich schien es gut zu laufen für die Deutsche Bahn. Doch der Staatskonzern verärgerte mit zahlreichen Ankündigungen die Öffentlichkeit. Mal wieder bringt sich das Unternehmen selbst um seine Glaubwürdigkeit.

Alle Fakten auf den Tisch. Das Erfolgsmodell der Schlichtungsgespräche Ende vergangenen Jahres, die Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler gelenkt hatte, hat selbst den Staatsriesen in Berlin dazu gebracht, Tacheles zu reden. Es zählten nur belegbare Fakten. Meinungen, Schätzungen, Prognosen hatten in den Stuttgarter Runden nichts zu suchen. Und damit haben sich alle Beteiligten einen Gefallen getan – insbesondere die Deutsche Bahn.

Die Deutsche Bahn hat dadurch an Glaubwürdigkeit gewonnen. Behauptungen, die nicht belegt werden konnten, sollten in diesen Tagen nachgewiesen werden. So stellt der Schweizer Gutachter SMA bald seine Ergebnisse vor, ob der neue Bahnhof ein Leistungsplus von 30 Prozent erreichen kann. Diese Nüchternheit hat dem gesamten Prozess gut getan.

Dass nun ausgerechnet die Deutsche Bahn diesen erfolgreichen Pfad verlässt, ist erstaunlich und überflüssig. Zwar erzählt die Deutsche Bahn der Öffentlichkeit keine Unwahrheiten, doch einen Fairnesspokal bekommt das Management des Konzerns ganz sicher nicht.

Bis Freitag vergangene Woche hieß es aus der Berliner Zentrale immer, der 15. Juli sei als Vergabetermin sakrosant. Bis dahin müsse SMA seine Prüfergebnisse des Stresstests auf den Tisch legen. Eine Verschiebung der Veröffentlichung sei nicht möglich.

Inzwischen hat die Deutsche Bahn selbst einräumen müssen, dass es offenbar doch noch Luft gebe. Zwar werde der Konzern den Baufirmen, die beim Bahnhofsbau nicht zum Zuge kommen werden, Ende dieser Woche eine Absage erteilen. So haben die Unternehmen zwei Wochen bis Ende der Ausschreibungsfrist Zeit, Einspruch zu erheben. Doch die Zusage für den Gewinner der Ausschreibung ließe sich noch ein paar Tage hinaus schieben, hieß es plötzlich aus dem Unternehmen. So gewährt der Konzern der Beratung SMA mehr Zeit für das Gutachten. SMA hatte darum gebeten. Die Deutsche Bahn widerlegt damit aber ihre bislang gemachten Äußerungen, eigentlich keinen Zeitpuffer mehr zu haben. Und wieder einmal gewinnt die Öffentlichkeit den Eindruck, die Deutsche Bahn spiele ein falsches Spiel.

Dieses Gefühl festigt sich heute ein weiteres Mal. Die “Financial Times Deutschland” berichtet in der Montags-Ausgabe, die Deutsche Bahn werde im ersten Jahr des Baus des Fildertunnels wohl nur 60 Millionen Euro ausgeben müssen. Das ist ein Bruchteil der auf 750 Millionen Euro taxierten Gesamtinvestition. Bislang hat der Konzern den Eindruck erweckt, durch eine Vergabe sei die Gesamtsumme bereits verloren.

Damit erhöhen sich die Minuspunkte, die auf das Konto der Deutschen Bahn einschlagen. Schon vor ein paar Wochen hatte das Unternehmen Ergebnisse des Stresstests durchsickern lassen, den der Konzern selbst durchgeführt hatte. Der Test sei bestanden, obwohl das Gutachten von SMA noch immer fehlt. Bahnchef Rüdiger Grube fiel anschließend noch mit Verbalangriffen gegen die aktuelle Landesregerierung in Baden-Württemberg aufg. Dafür hat ihn Geißler gerügt.

Die Deutsche Bahn bringt sich so mit unnötigen Handlungen wieder um einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit. Es ist ein äußerst riskantes Spiel, da es ohnehin schon seit Jahren schlecht bestellt ist um den Ruf des Konzerns. Das Management sollte gerade jetzt äußerst zurückhaltend und gleichzeitig transparent in der Debatte agieren. Wenn es stimmen sollte, dass der Stresstest bestanden ist, hat das Unternehmen ja ohnehin nichts zu verlieren.

 

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Transplantation: Chirurgen fordern Widerspruchslösung

Aus gegebenem Anlass zitieren wir einen Artikel zum Thema Organspende, der am 5.5.2011 veröffentlicht wurde.

Quelle: management-krankenhaus.de, 05.05.2011

Im Wortlaut:

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie fordert eine gesetzliche Neuregelung für die Organspende. Sie schlägt vor, der Widerspruchslösung Österreichs zu folgen, was die Versorgungslage mit Organen sehr verbessert.

“Organspende oder nicht. Diese Entscheidung sollte niemand seinen Angehörigen überlassen”, mit klaren Worten sprach sich der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, auf dem 128. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) dafür aus, die Organspende gesetzlich neu zu regeln. 12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Täglich sterben mindestens drei, weil sie dieses nicht rechtzeitig erhalten. Hier müsse der Gesetzgeber endlich aktiv werden, forderten die Chirurgen.

Beispiele aus europäischen Ländern wie Österreich zeigen, dass vor allem durch die “Widerspruchslösung” erheblich mehr Organtransplantationen möglich seien. “In Deutschland warten Patienten sechs Jahre auf eine neue Niere, in Österreich sechs Monate”, unterstreicht Prof. Dr. Jürgen Klempnauer, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie müssen oft lebenslang zur Dialyse, was ihre Lebensqualität erheblich einschränkt. Für Menschen, die auf ein Herz, eine Lunge oder Leber warten, sind diese Zeiten oft zu lang. Sie sterben, bevor sie das lebensrettende Organ erhalten.

Dieser Missstand hat mit den in Deutschland geltenden Regeln zur Organspende zu tun: Bei uns müssen sich potenzielle Spender aktiv dafür entscheiden, dass nach ihrem Tod Organe entnommen und für eine Transplantation genutzt werden dürfen.

Obwohl fast 75% der Deutschen bei Umfragen einer Organspende zustimmen würden, besitzen nur 12% einen Organspendeausweis. Bei der österreichischen Widerspruchslösung muss jeder Bürger aktiv widersprechen, wenn er seine Organe nach dem Tod nicht spenden möchte. Bei acht Mio. Einwohnern widersprechen nur 2000 pro Jahr. Entsprechend gut ist die Versorgungslage mit Spenderorganen.

Steinmeier plädierte für einen Mittelweg zwischen der heute geltenden Zustimmungslösung und der Widerspruchslösung – er sprach sich für eine “Entscheidungslösung” aus: Diese sieht vor, dass jeder Bundesbürger mindestens einmal im Leben bestimmt, ob er nach seinem Tod seine Organe zur Verfügung stellen möchte oder nicht.

Diese Regelung würde nicht nur potenziellen Organempfängern nutzen, sondern auch die Angehörigen von einer Entscheidung entlasten: Denn sie sind es, die ja oder nein sagen müssen, wenn der Verstorbene als potenzieller Spender in Frage kommt und kein Organspendeausweis vorliegt.

Die Vertreter der DGCH fordern geänderte gesetzliche Regelungen. “Die medizinischen Möglichkeiten der Organtransplantation sind so ausgereift, dass wir vielen Menschen helfen könnten, wenn wir über genug Spenderorgane verfügen würden. Daher wäre für das Wohl der Patienten eine Widerspruchslösung die beste Regelung”, so Prof. Dr. Axel Haverich, Präsident der DGCH. Gleichzeitig sollte auch die Lebendspende von Organen stärker berücksichtigt werden. Begleitend sollten sich auch die Klinikstrukturen ändern. So steigt z.B. die Zahl der Transplantationen, wenn die Koordinatoren vor Ort tätig sind.

Außerdem forderten die Chirurgen, die Entscheidung des Einzelnen für oder gegen eine Organspende transparent zu dokumentieren – z.B. im Führerschein, dem Personalausweis oder auch elektronisch.

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Falsch verstandene Liberalität

DPA hat am heitigen “Tag der Orgnaspende” eine Meldung zu einem Interview von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr mit dem NDR veröffentlicht:

http://www.focus.de/politik/schlagzeilen/nid_73979.html

Es wirkt fast zynisch, wenn der “neue” Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr formelhaft für Organspende wirbt, sich aber im gleichen Interview explizit gegen die sogenannte Widerspruchslösung bei der Organspende ausspricht.
Seine Begründung: Wenn jeder zum Spender würde, der zu Lebzeiten nicht eindeutig widersprochen hat, werde unzulässig Druck ausgeübt.

Der Hintergrund:
In Deutschland warten 12.000 Menschen auf eine Organspende. Jedes Jahr sterben 1.000 von ihnen, weil sie keine bekommen haben. Nur ein Drittel, etwa 4.000 Menschen, erhalten eine Niere, ein Herz, eine Leber oder Lunge – und so auch die Chance weiterzuleben.
Die zentrale Ursache dieser Situation liegt in der geringen Zahl der Organe, die für Transplantationen zur Verfügung stehen.
Mehr als drei Viertel der Bundesbürger sprechen sich zwar für Transplantationen aus, aber nur etwa 14 Prozent der Deutschen haben einen Organspendeausweis. Nach Einschätzung von Thomas Mehlitz, Transplantationskoordinator der Berliner Universitätsklinken Charité, liegt die Zahl der Menschen, die einen Organspendeausweis bei sich tragen, nur bei etwa 4 bis 5 Prozent.

Das Dilemma:

Offensichtlich haben viele Menschen Skrupel davor, sich mit dem Thema des eigenen Todes und den Fragen der Transplantation sowie der Rechtslage und den medizinischen Abläufen auseinanderzusetzen.
Nur so ist es zu erklären, dass Menschen, die sich über das Thema informiert haben, zu einem deutlich größeren Teil für eine spätere Spende der eigenen Organe im Todesfall aussprechen.

Fazit:

Jedem Menschen bleibt auch bei der Widerspruchslösung die Möglichkeit, sich – aus welchen Gründen auch immer – gegen eine Transplantation zu entscheiden – und dies so kundzutun.

So zu tun, als sei es ein schützenswerter Teil persönlicher Freiheit, Menschen das Nachdenken über das eigene Leben und Sterben zu ersparen, ist so zutreffend wie die Argumentation, dass wir allen das Recht auf Unwissenheit um jeden Preis erhalten sollten.

Transplantation schenkt Menschen Leben und Lebensqualität.
Und diese Möglichkeiten sollte unser Gesundheitsminister im Blick haben – selbst wenn er der FDP angehört.

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Porträt Thomas Rudek – “Wasserpreis an den Kosten orientieren”

Bereits das Engagement, das Thomas Rudek an den Tag legt, ist sehr außergewöhnlich und bemerkenswert. Und es ist kein Widerspruch, dass Thomas Rudek sich derart vehement für dieses Thema einsetzt und gleichzeitig keinen Job hat. Ob er typischer oder untypischer Berliner ist, schint nicht wirklich von Bedeutung zu sein. Sehr wichtig hingegen finde ich seine Courage, die ihn – unabhängig von seiner beruflichen Situation – zu einem Vorbild macht. Respekt!

Quelle: Der Tagesspiegel, 09.11.2010

Im Wortlaut:

Der Mann kann reden, als würde er dafür bezahlt. Ein längeres Gespräch mit Thomas Rudek, und man weiß alles, was für den Rückkauf der Berliner Wasserbetriebe spricht, man kennt sogar eine Finanzierungsmethode, die zu einer Stadt ohne Geld passt. Thomas Rudek, der Politologe, spricht für den “Berliner Wassertisch”. Der Wassertisch hat 280 000 Unterschriften gesammelt, um den Senat per Volksbegehren zur Offenlegung der Verträge zur Privatisierung der Wasserbetriebe zu zwingen.

Und nicht nur das: Die Leute vom “Wassertisch” wollen ein Gesetz zur “Offenlegung rechtswidriger Geheimverträge” durchsetzen. Für den Fall, dass der Senat diese Transparenz verweigert, sollen die Privatisierungsverträge binnen eines Jahres ungültig werden.

Wasser ist in der armen Stadt Berlin ziemlich teuer geworden durch den Verkauf der früheren Eigenbetriebe. Thomas Rudek ist ein nicht ganz untypischer Bewohner Berlins – er hat nämlich keinen Job. Um so druckvoller setzt er sich dafür ein, dass ein Betrieb der öffentlichen Daseinsvorsorge nicht noch dazu genutzt wird, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Die Geheimverträge über den Verkauf der Wasserbetriebe, die neuerdings teilweise im Internet nachzulesen sind, “offenbaren die exklusiven Parallelwelten der Elite”, so Rudek: “Da werden unbefristete Verträge abgeschlossen mit Gewinngarantien, die eindeutig gegen ein höchstrichterliches Urteil des Verfassungsgerichts verstoßen.”

Rudek habe sich, so sagt eine gute Bekannte sinngemäß, in seine persönliche Situation nicht gefügt, er kritisiert das System und will es auf politischem Weg verändern. Bevor er zum Sprecher, man könnte auch sagen, zum Gesicht des Wasser-Volksbegehrens geworden ist, hat er die Hartz-IV-Gesetze attackiert. Er hat sich mit dem “Öffentlichen Beschäftigungssektor” des Senats befasst und eigene Ideen dagegengesetzt. Er gehört zu der Art Bewohner dieser Stadt, für die Politik etwas ganz Wesentliches ist.

Beim Volksbegehren verdanken sie ihm viel: Er sei der Netzwerker und Kommunikator, der von der DKP bis zu den Laubenpiepern die Leute zusammenbringe. Wenn es dann gut läuft, wenn aus dem Groll eine Welle des Protests wird, dann, sagen Freunde, reite Rudek diese Welle und strahle dabei Freude aus.

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Entwicklungshelfer kontra Niebels Verquickung von Wirtschaft und Entwicklung

Quelle: rbb-Inforadio, 09.11.2010

Die Welthungerhilfe und die Kinderhilfe “Terre des Hommes” haben ihren Bericht über die deutsche Entwicklungshilfe vorgelegt. Darin kritisieren sie, dass die Bundesrepublik im Jahr 2009 ihre Hilfen um etwa 1 Milliarde Euro reduziert hat, obwohl sie sich eigentlich verpflichtet hat, sie bis 2015 auf 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommes zu steigern. Das Schwerpunktthema des Berichtes sind in diesem Jahr die “Entwicklungspatenschaften mit der Wirtschaft”. Diese werden von den beiden Organisationen besonders kritisch gesehen. Inga Höltmann berichtet.

Der Bericht trägt den Titel “Profitable Partnerschaft”. Damit sind die Entwicklungspatenschaften mit der Wirtschaft gemeint, ein Instrument der deutschen Entwicklungshilfe. Dabei werden deutschen Unternehmen Gelder zur Verfügung gestellt, wenn sie Projekte in Entwicklungsländern starten möchten. Die Idee dahinter: Den ärmeren Ländern zu helfen und gleichzeitig die deutsche Wirtschaft zu unterstützen. Im Idealfall entsteht so eine Win-Win-Situation. Jedoch nur im Idealfall, sagt Danuta Sacher von “terre des hommes”: “Wir kritisieren, dass möglicherweise öffentliche Mittel, die für Entwicklungshilfe, Armutsbekämpfung, bestimmt sind, als Subvention für deutsche Unternehmen benutzt werden. Die Entwicklungshilfsgeld aus Deutschland sind so knapp bemessen, dass sie dem eigentlichen Zweck zugeführt werden sollten.”

Denn die reine Außenwirtschaftsförderung ist eigentlich Aufgabe des Wirtschaftsministeriums. Gelder des Entwicklungshilfeministeriums dafür fließen zu lassen, halten die beiden Hilfsorganisationen nicht für angemessen – schnell stellt sich hier die Frage, was bei einer solchen Förderung im Vordergrund steht: “Geht es darum, dass die deutsche Entwicklungspolitik den Interessen der deutschen Außenwirtschaft zu dienen hat, oder geht es darum, dass die deutsche Außenwirtschaft dazu beiträgt, wichtige Ziele wie Armutsüberwindung zu erreichen.”

Der Mehrzahl dieser Kooperationsprojekte finden in Asien statt, nur etwa ein Viertel in Afrika. Die deutschen Unternehmen konzentrieren sich verständlicherweise auf ökonomisch attraktive Länder oder Sektoren – Bildung, Gesundheit oder ländliche Entwicklung gehören eher nicht dazu. Gerade diese Sektoren sind aber maßgeblich zur Armutsbekämpfung. Für ein deutsches Unternehmen sei Wirtschaftsförderung in China nunmal interessanter als Bildungsförderung in Burkina Faso, sagt Danuta Sacher: “Es ist ganz klar, dass für Entwicklungsländer Gesundheit und Bildung elementare Prioriät haben. Und genau in diese Bereiche investieren deutsche Unternehmen eher nicht (…)”

Das Fazit von der Welthungerhilfe und Terre des Hommes: Wirtschaftsinteressen im Ausland zu fördern, befördere nicht automatisch auch Entwicklungsziele. Dafür brauche es gezielte Maßnahmen in vernachlässigten Regionen.

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